| Zeit | Wolken | tief/mit/hoch | Wind 10 m | Böen | 250 hPa | Thermik | Seeing | Kontrast | AOD | Sonnenhöhe | Bestes Objekt | Score |
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| Objekt | Höhe jetzt | Über Horizont | Über 20° | Höchststand | Helligkeit |
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Seeing gegenüber Himmelskontrast: Die beiden Ringe oben trennen bewusst, was am Tag oft verwechselt wird. Das Seeing (Luftunruhe) lässt Planetenscheibchen und Mondstrukturen wabern und entscheidet über sichtbare Details. Der Himmelskontrast entscheidet, ob sich ein Objekt überhaupt vom hellblauen Himmel abhebt – er hängt von Luftfeuchte, Dunst, Aerosolen und Sichtweite ab. Ein Planet kann trotz sehr gutem Seeing schwer zu finden sein, wenn der Himmel milchig ist; umgekehrt kann Venus bei tiefblauem Himmel leicht sichtbar sein, aber wegen schlechten Seeings kaum Details zeigen. Kurz: Für das Auffinden zählt meist der Kontrast, für Details das Seeing.
Objekt-Score: Für jede Stunde und jedes Objekt werden Seeing, Himmelskontrast und Böenstabilität objektabhängig gewichtet – kontrastkritische Ziele wie Mars, Saturn und Merkur hängen stärker am Kontrast, der helle Mond stärker am Seeing. Multipliziert wird mit dem Wolkenfaktor, der überproportional straft: Schon 30 % Bewölkung halbieren den Score ungefähr, 50 % lassen nur noch knapp ein Drittel übrig, und ab 90 % Bedeckung fällt er auf null – gezielte Tagesbeobachtung ist dann praktisch aussichtslos. Dazu kommen ein Höhenfaktor (volle Wertung ab ~20° Objekthöhe – tief stehende Objekte leiden unter langer Luftstrecke und atmosphärischer Dispersion mit Farbsäumen), ein Sonnenabstandsfaktor (zu sonnennahe Objekte verschwinden im Streulicht und sind gefährlich anzufahren) und ein Objektfaktor für die grundsätzliche Schwierigkeit. Bei Mars skaliert dieser mit dem aktuellen Scheibchendurchmesser.
Zwei Modelle, wählbar: Alle Wettergrößen stammen aus zwei unabhängig gerechneten Vorhersagemodellen: ICON des Deutschen Wetterdienstes und GFS der US-amerikanischen NOAA. Über den Umschalter MODELL in der Kopfzeile lässt sich wählen, ob nur ICON, nur GFS oder Ø beide (Standard) verwendet wird. Beim Mittelwert wird jede Stunde als einfaches Ensemble beider Läufe angesetzt – das dämpft Ausreißer eines einzelnen Modells und liegt im Schnitt treffsicherer als jeder Lauf für sich; das gilt auch für die direkte Einstrahlung, aus der die Thermik geschätzt wird. Liefert das gewählte Modell eine Größe nicht (die Sichtweite etwa gibt es nur aus GFS), springt das andere als Lückenfüller ein. Die Modellübereinstimmung zeigt unabhängig von der Wahl, wie weit ICON und GFS bei der Bewölkung im Tagfenster auseinanderliegen: unter 10 % Abweichung ist die Lage eindeutig, über 25 % ist die Wetterlage schlecht vorhersagbar und der Score mit Vorsicht zu genießen.
Tag-Seeing wird aus drei Ebenen kombiniert: Höhenwind in 250 hPa (40 %, Jetstream-Näherung), Bodenwind in 10 m (35 %) und Thermik (25 %). Sobald die Sonne Dächer, Asphalt und Felder aufheizt, steigen Warmluftblasen auf und lassen das Bild kochen. Am ruhigsten ist es typischerweise in den ersten ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang – der frühe Vormittag ist meist das beste Fenster –, oft gefolgt von einem zweiten, kürzeren Fenster am späten Nachmittag. Die Thermik wird hier aus der direkten Sonneneinstrahlung und der Zeit seit Sonnenaufgang geschätzt.
Himmelskontrast: Basis ist die relative Luftfeuchte; Sichtweite, aerosol-optische Dicke (AOD 550 nm, CAMS – erfasst auch abgehobenen Saharastaub) und Feinstaub deckeln zusätzlich. Faustregel: AOD < 0,1 tiefblauer Himmel, 0,1–0,3 normal, > 0,5 milchig – dann verschmelzen schwache Ziele wie Saturn oder Mars zeitweise mit dem Hintergrund, während Venus oft noch geht. Geringer Kontrast verstärkt zudem die Wirkung schlechten Seeings: Was nachts nur wabert, taucht am Tag ganz ab.
Objektwahl: Venus ist mit Abstand der einfachste Tagesplanet – bei großer Elongation sogar freiäugig, im Teleskop mit klar erkennbarer Phase. Der Mond ist grundsätzlich einfach, solange er nicht als schmale Sichel zu nahe an der Sonne steht; Kraterdetails leiden aber unter Tages-Seeing. Jupiter ist meist problemlos auffindbar (Hauptbänder, manchmal Monde). Saturn ist auffindbar, doch der Ring kann am hellen Himmel überraschend schwer erkennbar sein. Mars ist meist klein und kontrastarm, lohnt vor allem um die Opposition. Merkur ist prinzipiell beobachtbar, wegen der Sonnennähe aber besonders gefährlich. Nicht die scheinbare Helligkeit allein entscheidet, sondern Flächenhelligkeit, Winkeldurchmesser und Sonnenabstand.
Praxis: Über Gras oder Wasser beobachten statt über Dächern, Straßen und geparkten Autos; Teleskop vollständig im Schatten halten und thermisch anpassen lassen; nur moderate Vergrößerung – bei schlechtem Seeing ist mehr Vergrößerung kontraproduktiv. Ein Rot-, Orange- oder IR-Passfilter reduziert fotografisch die Seeing-Wirkung und dämpft den blauen Hintergrund; visuell helfen Orange-/Rotfilter bei manchen Objekten, kosten aber Licht. Beim Mond hebt ein Polarisationsfilter den subjektiven Kontrast (beseitigt aber kein Seeing). Für Fotos sind kurze Videos mit Lucky Imaging besonders wirksam.
Modelldaten sind Prognosen – kurz vor der Session lohnt immer ein Blick an den echten Himmel.