| Zeit | Wolken | tief/mit/hoch | Wind 10 m | Böen | 250 hPa | Thermik | Seeing | AOD | UV | Sonnenhöhe | Weißlicht | H-α |
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Weißlicht-Score: Die Basis bilden 55 % Seeing · 27 % Transparenz (Luftfeuchte, Sichtweite, Aerosol, Feinstaub) · 18 % Böen (Stabilität von Montierung und Tubus). Die Bewölkung wirkt proportional als Faktor: Bei 0 % Wolken bleibt die volle Punktzahl, bei 50 % halbiert sie sich, bei 100 % ist der Score exakt 0 – ohne freie Sicht auf die Sonne nützt das beste Seeing nichts. Steht die Sonne unter ~20° Höhe, wird zusätzlich wegen der stark wachsenden Luftmasse abgewertet; unter ~5° geht der Score gegen null.
H-alpha-Score nutzt dieselbe Logik mit höher gewichteter Transparenz (42 %) und einem strengeren Wolkenfaktor: Neben der Gesamtbewölkung gehen hohe Wolken (Zirren) gesondert ein – schon ab etwa 55 % Zirrusbedeckung fällt der Score auf 0, und erhöhte Aerosolwerte deckeln zusätzlich. Dünner Zirrus oder Saharastaub streut Licht in die schmalbandige Abbildung und lässt Protuberanzen und Filamente im aufgehellten Kontrast absaufen – oft, während das Weißlichtbild noch brauchbar wirkt.
Tag-Seeing wird aus drei Ebenen kombiniert: Höhenwind in 250 hPa (40 %, Jetstream-Näherung), Bodenwind in 10 m (35 %) und Thermik (25 %). Tagsüber dominiert die bodennahe Konvektion: Sobald die Sonne den Boden aufheizt, steigen Warmluftblasen auf und lassen das Bild kochen. Am ruhigsten ist es typischerweise in den ersten ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang, bevor die Thermik einsetzt – oft ein zweites, kürzeres Fenster am späten Nachmittag. Die Thermik wird hier aus der direkten Sonneneinstrahlung und der Zeit seit Sonnenaufgang geschätzt. Praxis-Tipp: über Wiese oder Wasser beobachten, nicht über Asphalt, Dächer oder geparkte Autos.
Zwei Modelle, wählbar: Alle Wettergrößen stammen aus zwei unabhängig gerechneten Vorhersagemodellen: ICON des Deutschen Wetterdienstes und GFS der US-amerikanischen NOAA. Über den Modell-Schalter im Kopf lässt sich wählen, ob nur ICON, nur GFS oder das Mittel beider Läufe (Standard „Ø beide“) in Anzeige und Bewertung einfließt – das Umschalten rechnet sofort um, ohne neuen Datenabruf. Das Mittel wirkt wie ein einfaches Ensemble, das Ausreißer eines einzelnen Modells dämpft und im Schnitt treffsicherer liegt als jeder Lauf für sich; ein einzelnes Modell lohnt, wenn es die lokale Wetterlage erfahrungsgemäß besser trifft. Fehlt eine Größe im gewählten Modell (die Sichtweite etwa gibt es nur aus GFS), springt das jeweils andere ein; der UV-Index wird aus CAMS abgeleitet und ist modellunabhängig. Die Modellübereinstimmung zeigt unabhängig von der Wahl, wie weit ICON und GFS bei der Bewölkung im Tagfenster auseinanderliegen: unter 10 % Abweichung ist die Lage eindeutig, über 25 % ist die Wetterlage schlecht vorhersagbar und der Score mit Vorsicht zu genießen.
Aerosol & Saharastaub: Die aerosol-optische Dicke (AOD bei 550 nm, CAMS-Modell) misst die Lichtauslöschung durch die gesamte Luftsäule und erfasst auch abgehobene Staubschichten in mehreren Kilometern Höhe. Am Tag wirkt sie doppelt: Sie dämpft feine Strukturen (Granulation, Penumbra-Filamente) und erzeugt Streulicht rund um die helle Sonnenscheibe. Faustregel: AOD < 0,1 sehr klar, 0,1–0,3 normal, > 0,5 deutliches Staub- oder Dunstereignis. Feinstaub (PM10/PM2,5) geht als mildere zweite Deckelung ein.
Sonnenaktivität (NOAA/SWPC): Der F10,7-Radioflux und die Zahl der Fleckenregionen zeigen, wie viel es zu sehen gibt – bei hohem Flux lohnen Weißlicht (Fleckengruppen, Fackelgebiete) und H-alpha (Filamente, Flares) besonders. Die Flare-Wahrscheinlichkeiten gelten für die nächsten 24 Stunden; ein M- oder X-Flare ist im H-alpha ein spektakuläres Live-Ereignis.
Wärmemanagement: Tubus und Filter heizen sich in der Sonne auf und erzeugen Eigenseeing. Weiße oder reflektierende Tuben, Pausen im Schatten und kurze Belichtungen (Lucky Imaging) helfen; bei Böen über ~8 m/s leidet trotz guter Optik die Bildruhe.
Modelldaten sind Prognosen – kurz vor der Session lohnt immer ein Blick an den echten Himmel.